Dienstag, 19. Dezember 2017

Probegenäht - Heldinnentasche von Crafteln / Stokx

Manchmal hat Probenähen ein bisschen was von einer Wundertüte. Man liest einen Aufruf, genäht werden soll ein "Ding", kein Kleidungsstück, meldet sich und bekommt dann ein Bild, eine schriftliche Anleitung und erste Termine.

In diesem Fall gab es die Möglichkeit, die Wundertüte, in der eine Tasche war, wieder zurück zu geben, nicht zu nähen, es gab noch ein paar mehr kleine Bilder vom Nähprozess und der Terminplan wurde nach hinten verschoben, weil spezielle Schnallen fehlten, die es mittlerweile bei Crafteln zu kaufen gibt. Da gibt es auch den Taschenschnitt.

Ich habe zum zweiten Mal für Meike probegenäht. Und ich habe zum gefühlten 100. Mal eine Tasche genäht. Dennoch ist es natürlich wichtig, Schritt für Schritt nach der Anleitung zu nähen, um im Anschluss Feedback zu geben, damit die Anleitung optimiert werden kann. In diesem Fall war das besonders wichtig, denn die Tasche hat anders geformte Schnittteile, es ergibt sich nicht intuitiv, was vorne, hinten, oben, unten ist.

Mittlerweile ist ein bisschen Zeit vergangen und ich habe meine ersten Misserfolge verdaut. Vielleicht ist es besser erstmal Bilder der fertigen Tasche(n) zu zeigen. Wie üblich, wenn ich ein Schnittmuster habe (und mir das fertige Produkt gefällt), nähe ich gleich mehrere Exemplare, manchmal gerate ich dabei regelrecht in einen Flow.

Hier also die petrolfarbene Kunstledertasche, die ich meiner Tochter versprochen habe und mir ausleihen darf. Nicht mit dem vorgesehenen 2-Wege-Reißverschluss in O-Form, dafür mit Innenfutter, weil mein Kunstleder innen nicht schön aussah.


Die Farbe changiert je nach Lichteinfall. Über die Features der Tasche wird hier ausführlich berichtet, das spare ich mir jetzt mal.



Alles begann jedoch damit, dass ich die Anleitung beim ersten, zweiten, dritten Lesen nicht verstanden habe (Bilder gab es da noch nicht). Ich fand sie unübersichtlich, Überschrift und Textteil waren nicht getrennt, so dass man das Gefühl hatte, irgendwie ist das doppelt, was ich da tun soll. Der Reißverschluss wurde anders eingenäht als ich es mache, aber natürlich wollte ich es genau nach Anleitung machen (die ich nicht verstanden habe). Deshalb bin ich bereits bei Schritt 3 aus der Anleitung "ausgestiegen" und habe nach meinem Gefühl weitergenäht. Dazu ist zu sagen, dass es ein regnerischer Sonntag war, an dem wir eine Wanderung abgesagt haben und sich ein unerwartetes Zeitfenster aufgetan hat. Das war ganz am Anfang, als die meisten anderen Probenäherinnen noch ihre Stoffe zusammen suchten. Ich habe Reste vom Mantel genommen, sehr dicken Stoff, aber der Mantel hat auch geklappt, eine Tasche, wo ist das Problem? Wenigstens habe ich die Innentasche und die Handytasche gleich aus anderem dünneren Mantelstoff zugeschnitten. Meine Nähmaschine hat einige Nähte unsauber genäht, da wo Kappnaht (4 Lagen) umgeklappt auf weitere 3 Lagen trafen, passte der Stoff kaum noch unter das Füßchen, also eigentlich gar nicht mehr, ich habe es kurzzeitig abgeschraubt, um den Stoff weiterzuschieben, dann wieder angeschraubt, weitergenäht. Dann noch verschiedene Ziernähte ausprobiert, um den einzig vorhandenen Reißverschluss in einigermaßen passender Länge nicht einsam in Orange aufblitzen zu lassen. Gurtband und Schnallen habe ich aus der Hundeleinenkiste zusammen gesucht. Der verregnete Nachmittag war sehr produktiv.

Am Abend war die Tasche fertig, sie gefiel mir gut. Noch ein uraltes Bügelbild drauf. Perfekt.



Am nächsten Tag bin ich damit Rad gefahren, da gefiel sie mir nicht mehr so gut, weil ich mit dem offenen Fach vorne beim Aufsteigen auf mein Herrenrad am Lenker hängen geblieben bin. Außerdem drohte die Wasserflasche heraus zu fallen. Das Fach war schon sehr weit. Nun ja, Design. Ich habe die Tasche seitlich ein wenig höher genäht (mit der Hand) und dann nochmal ein Stück höher festgenäht, damit sie insgesamt geschlossener war.

Dann nähten immer mehr Probenäherinnen die Tasche und irgendwie schien sie mir anders zu sein, nicht so weit und offen vorne. Bis sich heraus stellte, dass ich ein an einem großen Teil (Haupttasche) oben und unten vertauscht habe. Beschriftet waren die Schnittmusterteile zu dem Zeitpunkt auch eher rudimentär. Ich habe einen Saum genäht, unten, wo man Säume halt so näht, aber die Saum hätte nach oben gehört, damit habe ich das Teil komplett falsch herum angenäht, was die Weite der Außentasche erklärt. Die Tasche sieht dennoch gut aus, ist viel im Einsatz und im Prinzip hat sie nichts gekostet, Reststoffe, alter Reißverschluss, altes Gurtband, alte Schnallen....

Es verging Zeit, ich war ein bisschen demotiviert, bei den anderen Probenäherinnen klappte soweit alles ganz gut. Ich nähte mein Weihnachtskleid und dann verkündete meine Tochter, dass sie eine neue Tasche braucht, in die ihre ganzen Reitsachen reinpassen. Ich versuchte ihr, die Notwendigkeit, eine Heldinnentasche zu besitzen zu verkaufen. Denn ich bin immer reichlich ehrgeizig, was alle schaffen, muss doch auch für mich machbar sein.

Inzwischen gab es farbige Grafiken, eine übersichtliche, überarbeitete Anleitung, also im Prinzip deutlich weniger Risiken, etwas falsch zu machen. Ich hatte diverse Kunstleder im Schrank, schon vor langer Zeit bei Dreyfus in Paris gekauft, in der richtigen Farbe und los ging es. Ergebnis siehe oben.

So schön, dass ich im Anschluss, Heldinnentasche Nummer 3, 4 und 5 für meine Nichte, eine Freundin und mich genäht habe. Die letzte Version für mich ist aus goldenem Kunstleder, auch aus Paris. Ich zeige sie demnächst, hier eine Preview:


Zwei weitere Versionen zum Verschenken sind aus schwarzem, etwas dünneren Kunstleder, ungefüttert bzw. nochmal Petrol mit Waxprint Futter.



Das Schnittmuster und die Anleitung zur Tasche wurden mir kostenlos zur Verfügung gestellt. Nach anfänglicher Skepsis, siehe oben, bin ich inzwischen restlos überzeugt von der Tasche. Und dass auch meine Tochter sie "cool" findet, will eine Menge heißen.

Liebe Grüße, Anja

Kommentare:

  1. Wow die türkisfarbene und goldene kannst du gleich nach Berlin schicken. Die sind ja wirklich der Hammer. Ich bin gespannt, welche bei dir noch folgen werden. LG Carola

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  2. Die blaue Tasche ist wirklich wunderschön geworden! Und auf die goldene bin ich auch schon ganz gespannt.
    LG Tina

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  3. Liebe Anja, vielen Dank für diese detaillierte Beschreibung Deiner Heldinnen-Historie...es ist ja nicht einfach, auch mal einen Mißerfolg zuzugeben, und ich bin sehr froh, daß Du die Freude am Heldinnenprojekt trotz allem nicht verloren hast! Der Schnitt war ja wirklich anfangs sehr schwierig zu verstehen. Die petrolfarbene Kunstledertasche finde ich nach wie vor genial - also der Tochter steht sie doch bestimmt nicht :-))Aber goldenes Kunstleder aus Paris klingt natürlich absolut toll, da bin ich auf die nächsten Bilder sehr gespannt!
    LG Barbara
    LG Barbara

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